Ein Website-Relaunch ist für viele Unternehmen ein großer Schritt: neues Design, moderne Technik, bessere Texte. Umso bitterer ist es, wenn nach dem Livegang plötzlich die Anfragen einbrechen, weil Google die neue Seite nicht mehr so gut findet wie die alte. Das passiert häufiger, als man denkt, und fast immer aus denselben Gründen. Besonders gefährdet sind gewachsene Strukturen, etwa eine Bezirksübersicht eines Malerbetriebs, deren Unterseiten über Jahre Rankings aufgebaut haben. Werden solche Seiten beim Relaunch verschoben oder gelöscht, geht dieser Wert schnell verloren.
Die gute Nachricht: Mit sorgfältiger Planung lässt sich ein Relaunch ohne Rankingverlust umsetzen. Oft steigt die Sichtbarkeit danach sogar. In diesem Beitrag geben wir Ihnen eine praktische Checkliste an die Hand, die Sie vor, während und nach dem Relaunch Schritt für Schritt abarbeiten können.
Die Checkliste richtet sich an Unternehmer, die ihren Relaunch mit einer Agentur oder einem Webdesigner umsetzen und selbst den Überblick behalten möchten. Sie müssen nicht jeden technischen Schritt selbst ausführen. Aber Sie sollten wissen, welche Fragen Sie stellen und welche Punkte Sie vor der Abnahme kontrollieren sollten. Genau dafür ist dieser Leitfaden gedacht.
Warum bei einem Relaunch Rankings verloren gehen
Google hat Ihre alte Website über Jahre kennengelernt. Jede Seite hat eine Adresse, eingehende Links, Inhalte und eine Position in den Suchergebnissen. Bei einem Relaunch ändern sich oft mehrere dieser Dinge gleichzeitig: Adressen werden umbenannt, Seiten zusammengelegt, Texte gekürzt, die Navigation umgebaut. Für Google sieht das zunächst aus wie eine völlig neue Website.
Die häufigsten Ursachen für Einbrüche sind fehlende Weiterleitungen, gelöschte Inhalte, die vorher gut rankten, eine versehentlich blockierte Indexierung und deutlich schlechtere Ladezeiten durch neue Designelemente. Keiner dieser Fehler ist unvermeidbar, aber alle passieren, wenn SEO beim Relaunch nur eine Nebenrolle spielt.
Vor dem Relaunch: die Bestandsaufnahme
Der wichtigste Schritt passiert, bevor die neue Website überhaupt gebaut wird. Erfassen Sie alle Adressen Ihrer bestehenden Website, am besten mit einem Crawler, der Ihnen eine vollständige Liste erstellt. Ergänzen Sie diese Liste um Daten aus der Google Search Console: Welche Seiten bekommen Klicks und Impressionen? Für welche Suchbegriffe ranken sie?
Markieren Sie die Seiten, die für Ihr Geschäft besonders wichtig sind, und notieren Sie, welche Seiten externe Verlinkungen haben. Diese Liste ist Ihre Versicherung. Sie zeigt Ihnen später genau, was erhalten bleiben muss und wohin jede alte Adresse weitergeleitet werden soll.
Sichern Sie außerdem die aktuellen Rankings für Ihre wichtigsten Begriffe, die Seitentitel und Meta-Beschreibungen sowie ein vollständiges Backup der alten Website. So können Sie nach dem Livegang vergleichen und im Notfall schnell reagieren.

URL-Struktur und Inhalte planen
Die beste Weiterleitung ist die, die Sie gar nicht brauchen. Behalten Sie gut funktionierende Adressen nach Möglichkeit bei. Wenn sich die Struktur ändern muss, planen Sie für jede alte Adresse ein passendes neues Ziel. Das Ziel sollte inhaltlich möglichst nah an der alten Seite liegen, nicht einfach die Startseite.
Genauso wichtig sind die Inhalte selbst. Ein neues Design verführt oft dazu, Texte stark zu kürzen, weil sie im neuen Layout „zu lang“ wirken. Wenn eine Seite aber gerade wegen ihres ausführlichen Inhalts gut rankt, verliert sie mit dem Kürzen ihre Grundlage. Prüfen Sie deshalb bei jeder wichtigen Seite, welche Inhalte für das Ranking verantwortlich sind, und übernehmen Sie diese.
Weiterleitungen richtig einrichten
Jede alte Adresse, die sich ändert oder wegfällt, braucht eine dauerhafte Weiterleitung mit dem Statuscode 301 auf das passende neue Ziel. Diese Weiterleitung sagt Google, dass die Seite umgezogen ist, und überträgt den größten Teil ihrer Signale. Wie Google Weiterleitungen genau behandelt, erklärt die Dokumentation zu Weiterleitungen.
Vermeiden Sie Weiterleitungsketten, bei denen eine Adresse erst auf eine zweite und dann auf eine dritte verweist. Leiten Sie immer direkt auf das endgültige Ziel weiter. Und passen Sie auch interne Links auf der neuen Website an, sodass sie direkt auf die neuen Adressen zeigen, statt über Weiterleitungen zu laufen.
Technische Prüfung vor dem Livegang
Bevor die neue Website live geht, sollte sie auf einer Testumgebung gründlich geprüft werden. Achten Sie darauf, dass diese Testumgebung für Suchmaschinen gesperrt ist, und vor allem darauf, dass diese Sperre beim Livegang wieder aufgehoben wird. Ein vergessener Haken in den Einstellungen, der Suchmaschinen aussperrt, gehört zu den häufigsten und teuersten Relaunch-Fehlern überhaupt.
Prüfen Sie außerdem Seitentitel, Meta-Beschreibungen, Überschriftenstruktur, Canonical-Angaben, die XML-Sitemap, die mobile Darstellung und die Ladezeit. Moderne Designs mit großen Bildern, Animationen und vielen Skripten können die Geschwindigkeit deutlich verschlechtern. Worauf es technisch ankommt, beschreiben wir auf unserer Seite zu technischem SEO in Berlin.

Am Tag des Livegangs
Wählen Sie für den Livegang einen Zeitpunkt, an dem Sie und Ihr Dienstleister erreichbar sind und nicht gerade Ihre wichtigste Saison läuft. Direkt nach dem Umschalten empfehlen wir diese Reihenfolge:
- Indexierung prüfen: Kontrollieren Sie, dass die Seite nicht mehr für Suchmaschinen gesperrt ist.
- Wichtigste Seiten aufrufen: Startseite, Leistungsseiten und Kontaktseite müssen fehlerfrei laden.
- Weiterleitungen testen: Rufen Sie zehn bis zwanzig alte Adressen aus Ihrer Liste auf und prüfen Sie, ob sie auf das richtige Ziel führen.
- Formulare ausprobieren: Senden Sie eine Testanfrage und prüfen Sie, ob sie ankommt.
- Sitemap einreichen: Hinterlegen Sie die neue XML-Sitemap in der Google Search Console.
Falls sich auch die Domain ändert, nutzen Sie in der Search Console zusätzlich die Funktion zur Adressänderung. Den gesamten Ablauf eines solchen Umzugs beschreibt Google ausführlich in der Anleitung zum Umzug einer Website mit URL-Änderungen.
Nach dem Relaunch: beobachten und nachbessern
In den ersten Wochen nach einem Relaunch sind leichte Schwankungen normal. Google muss die neue Struktur erst verarbeiten. Beobachten Sie in dieser Zeit täglich oder zumindest mehrmals pro Woche die Search Console. Achten Sie besonders auf neue Fehlerseiten, Probleme bei der Indexierung und Veränderungen bei den wichtigsten Suchbegriffen.
Vergleichen Sie die Rankings mit Ihrer Sicherung von vorher. Wenn einzelne wichtige Seiten deutlich verlieren, prüfen Sie, ob Weiterleitungen fehlen, Inhalte verloren gegangen sind oder technische Probleme vorliegen. Je schneller Sie reagieren, desto geringer ist der Schaden. Viele Unternehmen lassen sich in dieser Phase begleiten, etwa im Rahmen einer monatlichen SEO-Betreuung.

Die Relaunch-Checkliste im Überblick
- Alle alten Adressen mit Klicks, Rankings und Verlinkungen erfassen
- Wichtige Inhalte identifizieren und in die neue Website übernehmen
- Für jede geänderte Adresse eine 301-Weiterleitung planen
- Testumgebung für Suchmaschinen sperren und beim Livegang freigeben
- Seitentitel, Beschreibungen, Überschriften und Sitemap prüfen
- Ladezeit und mobile Darstellung testen
- Nach dem Livegang Weiterleitungen, Formulare und Indexierung kontrollieren
- Search Console und Rankings mehrere Wochen eng beobachten
Den Relaunch als Chance nutzen
Ein Relaunch ist nicht nur ein Risiko, sondern auch eine große Gelegenheit. Sie können veraltete Inhalte aktualisieren, dünne Seiten zusammenführen, die interne Verlinkung neu ordnen und technische Altlasten beseitigen. Viele Websites schleppen über Jahre Seiten mit, die niemand mehr besucht, doppelte Inhalte oder eine unübersichtliche Navigation. Beim Neubau lassen sich diese Probleme in einem Zug lösen.
Wichtig ist nur, dass solche Verbesserungen bewusst und dokumentiert passieren. Jede zusammengelegte Seite braucht eine Weiterleitung, jede gekürzte Seite eine Prüfung, ob wichtige Inhalte verloren gehen. Wer so vorgeht, startet mit der neuen Website nicht bei null, sondern auf einem höheren Niveau.
Zuständigkeiten klar regeln
Bei vielen Relaunches arbeiten mehrere Beteiligte zusammen: Designer, Entwickler, Texter, vielleicht eine SEO-Agentur und natürlich Sie selbst. Probleme entstehen oft nicht, weil jemand etwas falsch macht, sondern weil sich niemand zuständig fühlt. Die Weiterleitungen hielt der Designer für Aufgabe des Entwicklers, der Entwickler für Aufgabe der Agentur.
Legen Sie deshalb vor Projektbeginn fest, wer für die URL-Liste, die Weiterleitungen, die Texte, die technische Prüfung und das Monitoring nach dem Livegang verantwortlich ist. Eine einfache Tabelle mit Aufgabe, Verantwortlichem und Termin reicht völlig. Sie verhindert, dass wichtige Punkte zwischen den Beteiligten verloren gehen, und gibt Ihnen am Ende eine klare Grundlage für die Abnahme.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es, bis sich Rankings nach einem Relaunch erholen?
Bei einem sauber geplanten Relaunch sind die Schwankungen meist nach zwei bis sechs Wochen ausgeglichen. Bei größeren Strukturänderungen kann es auch einige Monate dauern.
Muss ich wirklich jede alte Seite weiterleiten?
Jede Seite, die Besucher, Rankings oder externe Links hat, ja. Seiten ohne jeden Wert können auch entfallen, sollten dann aber einen sauberen Fehlercode liefern.
Ist ein Relaunch ein guter Zeitpunkt für einen Domainwechsel?
Möglichst nicht. Mehrere große Änderungen gleichzeitig erhöhen das Risiko und erschweren die Fehlersuche. Wenn beides nötig ist, lieber nacheinander.
Was mache ich, wenn nach dem Relaunch die Rankings einbrechen?
Prüfen Sie zuerst Indexierungseinstellungen, Weiterleitungen und fehlende Inhalte. In den meisten Fällen liegt die Ursache in einem dieser drei Bereiche und lässt sich schnell beheben.
Fazit: Planung ist der beste Schutz
Ein Website-Relaunch muss kein Risiko für Ihre Sichtbarkeit sein. Wer vorher eine gründliche Bestandsaufnahme macht, Adressen und Inhalte bewusst plant, Weiterleitungen sauber einrichtet und nach dem Livegang aufmerksam beobachtet, kann die neue Website sogar als Sprungbrett nutzen. Wenn Sie vor einem Relaunch stehen und wissen möchten, wo Ihre aktuelle Website steht, starten Sie mit unserem kostenlosen SEO-Check.